Vor- und Frühgeschichte auf der Birk

Materielle Zeugnisse menschlichen Wirkens

 

Altsteinzeit (Paläolithikum)

Bearbeitete Rentiergeweihstücke aus der Flensburger Förde widerlegten die früher verbreitete Meinung, erst nach der Eiszeit sei der Mensch nach Schleswig-Holstein gekommen. Vor ungefähr 10.000 Jahren, als der Wasserstand in der Ostsee noch wesentlich (über 30 Meter) niedriger war als heute, folgten erste Jäger den Rentieren nach Norden, um an Nahrung und Material zu kommen. Fleisch und Milch wurden verzehrt, aus den Fellen und Sehnen wurden Zelte und Kleidung hergestellt und die Knochen und Geweihe nutzte man als Rohstoffe für Werkzeuge und Waffen. Sonstiger Hauptrohstoff war der zuvor durch die Gletscher aus Skandinavien herangewälzte Feuerstein, aus dem beispielsweise Faustkeile und Beilklingen hergestellt wurden. Ob aber im Gebiet der Birk auch einige der wenigen versprengten Jäger unterwegs waren, ist unklar. Bisher wurden noch keine Spuren gefunden.

Mittelsteinzeit (Mesolithikum)

Die Mittlere Steinzeit, das Mesolithikum, rechnet man von etwa 8.000 bis 3.500 v. Chr.; sie ist gekennzeichnet durch neue Lebensformen und Geräte. Aus den nomadisierenden Renjägern sind Jäger und Fischer geworden, die sich an den Meeres- und Binnenseeküsten niederlassen. Sie sammeln Muscheln, Früchte und Wurzeln, stellen dem Wild und den Fischen nach. Ihr Hauptgerät ist das ungeschliffene Steinbeil, daneben werden, beispielsweise als Pfeilspitzen, kleinere Flintabschläge bis zu den kleinsten, den sogenannten Mikrolithen, benutzt. Im Gebiet der (späteren) Birk gibt es einige Fundstellen, die auf kleinere Siedlungsplätze aus dieser Zeit hindeuten. Nördlich von Nieby, an der Spitze der weit in das ehemalige Noor hereinreichenden Landzunge, an deren Ostseite sich das ehemalige Niebyer Kliff befindet, wurden bearbeitete Knochenreste, ein Meißel, ungeschliffene Beile sowie ein Messer und mehrere Abschläge aus Flint gefunden. Besonders die Abschläge und die bearbeiteten Knochen deuten auf einen Siedlungsfund hin, an dem die Menschen längere Zeit und nicht nur einige Tage verbracht haben.

Die meisten Funde, die sich aber ins Mesolithikum datieren lassen, sind Einzelfunde. Oftmals gelangen beim Pflügen eines Ackers Feuersteingeräte oder Teile von ihnen an die Oberfläche und werden dabei aus ihrem Fundmilieu herausgerissen, wodurch eine genaue Bestimmung des Fundorts unmöglich wird. So kann zwar für das Gebiet der Geltinger Birk die Anwesenheit des mittelsteinzeitlichen Menschen nachgewiesen werden, aber weniger seine Anzahl und Verbreitung.

Jungsteinzeit (Neolithikum)

In der Jüngeren Steinzeit, etwa von 3.500 – 1.500 v. Chr. war Angeln dicht besiedelt. Mit dem Einsetzen des Neolithikums geht der Mensch von der bloß aneignenden zur erzeugenden Kultur über, eine der bedeutendsten Umwälzungen der menschlichen Kultur in der Vorgeschichte überhaupt. Denn der Mensch braucht nun nicht mehr seine ganze Zeit dem Gewinn der Nahrung und dem Bau der Wohnung zu widmen, er hat jetzt Zeit für das, was man als Kultur bezeichnet. Er ist Ackerbauer und Viehzüchter, hat einen festen Wohnsitz und Sinn für schön geschliffene Geräte und verzierte Keramik, für gute Kleidung und Schmuck und, in unserem Gebiet besonders anschaulich, für Ahnenverehrung und Götterkult. Während zu dieser Zeit Pyramiden und Felsengräber erbaut werden und an Euphrat und Tigris hohe Kulturen entstehen, werden in Nordeuropa die Riesenstein- oder Megalithgräber geschaffen, aber großenteils unter Erdhügeln den profanen Blicken entzogen.

Zeugnisse dieses ersten kulturgeschichtlich interessanten Zeitabschnitts sind auf der Birk Siedlungsstellen mit geschliffenen Flint- und Felssteinbeilen, wie beispielsweise westlich von Niebywesterfeld kurz vor dem ehemaligen Strand zum Beveroer Noor. An diesem Platz wurden neben sorgfältig geschliffenen Flintbeilen, -schabern und -meißeln auch grob gemagerte Tonscherben gefunden.

Von der sehr häufigen Anwesenheit des jungsteinzeitlichen Menschen auf der Birk zeugen ferner sehr zahlreiche Streufunde auf der ganzen Birk; auch am Strand werden häufig bearbeitete Objekte angetrieben, weil die Siedlungsplätze häufig unter dem heutigen Meeresniveau lagen. Zur damaligen Zeit lag der Meeresspiegel bis zu 24 Metern unter dem heutigen. Aus diesem Grund liegen die meisten der heutigen gesicherten neolithischen Siedlungsplätze, genau wie der genannte, im heute eingedeichten Bereich. Weitere Siedlungsplätze waren nördlich von Nieby-Westerfeld am ehemaligen Strand, im südöstlichen Teil von Beveroe sowie nördlich von Falshöft. Überall dort zeugen neben Steingeräten zahlreiche Feuersteinabschläge sowie beispielsweise Brandstellen, Kohlereste, durch Hitze porös gewordene Felssteine und selten Keramikreste von menschlichem Wohnen.

Die spektakulärsten Hinterlassenschaften aus dieser Zeit aber sind die gewaltigen Steingräber, die Riesenbetten, die auch im Umkreis der Birk nachgewiesen wurden. Eines davon lag direkt nördlich von Nieby-Westerfeld, relativ nah am ehemaligen Strand; ein anderes, das “Bargenhy” genannt wird, östlich von Nieby neben der Straße nach Falshöft am höchsten Punkt, nahe dem heutigen Funkturm der Bundeswehr. Das Grab war noch bis ins 19. Jahrhundert klar erkennbar als längliche Erhebung. Aus dieser Zeit (1852) stammt auch die Beschreibung des Grabes: “Dieser Hügel liegt auf dem höchsten Punkt der ganzen Gegend, von dem man eine herrlich Aussicht auf die See und über einen großen Teil Angelns hat. Der selbe war (jetzt ist der Hügel z. T. demoliert) 87 Schritte lang, an einem Ende 17, am anderen 14 Schritte breit und ca. 5 Fuß hoch und lag in der Richtung von NO – SW. Der Länge nach war der Hügel durch eine Reihe von Steinen, die auf dem Urgrund standen, in zwei Hälften geteilt und der Fuß desselben war mit großen Steinen umsetzt. Der Hügel hatte nur eine Kammer gegen die Mitte in der Osthälfte desselben. Die Länge der Kammer war 7 Fuß 9 Zoll in der Richtung des Hügels entsprechend, die Breite desselben war 4 Fuß. Die Westseite der Kammer war durch zwei große Steine gebildet; jede der drei anderen Seiten wurde nur durch einen gewaltigen Stein gebildet. Die Kammer wurde durch zwei sehr große Steine bedeckt. An dem Südende der Kammer fanden sich die Überreste eines menschlichen Gerippes. Der z. T. noch erhaltene Hügel besteht aus einem Gemisch von Sand, Asche und Kohlen.” (H. Piepgras, Gelting, Archiv des Nat. Mus. Kopenhagen, 1852)

Die Lage von Bargenhy nach H. Piepgras, 1852

Auch viele Steingräber wurden im Niebyer Bereich entdeckt, eines davon zwischen Nieby und Langfeld: “Der ca. 100 Schritte gegen SW entfernte Hügel hatte eine ovale, mit großen Steinen umsetzte Grundfläche. Der Durchmesser von Süden nach Norden war 15-16 und von Ost nach West 10 Schritte, die Höhe ca. 10 Fuß. Es befand sich in demselben eine viereckige, mit hervorragendendem Deckstein versehende Grabkammer, dessen Südwestende offen war.”

Insgesamt wurden im Gemeindegebiet von Nieby, also im nächsten Umkreis der Birk, 45 solcher Grabstellen vom Archäologischen Landesamt registriert. In der jüngeren Steinzeit war das Gebiet um die Geltinger Birk, also direkt am Meer mit vielen muschelreichen Flachwasserbereichen, offensichtlich ein beliebter Siedlungsplatz. Auch Nils Kobarg, der Leiter der Integrierten Station machte beim Ausheben einer mit Müll verfüllten Grube unterhalb von Nieby einen Fund: Ein geschliffenes, neolithisches Steinbeil.

Das von Nils Kobarg entdeckte geschliffene, neolithische Steinbeil

Bronzezeit

Nach einer kurzen Zeit des Übergangs zwischen Jungsteinzeit und den ersten Hinweisen auf die Nutzung von unlegiertem Metall (“Kupferzeit”) bricht um 1600 v. Chr. die Bronzezeit an. Zunächst werden vereinzelt Kupferdolche und Bronzeschwerter aus Erzstätten des Donaugebietes, vielleicht auch über See aus Irland eingeführt, bald jedoch beginnt man auch im Gebiet der westlichen Ostsee, aus dem eingeführtem Material selbst Waffen, Gerät und Schmuck zu gießen. Mann nennt die Legierung aus Kupfer und Zinn nach der süditalienischen Stadt Brindisi (früher Brundisium) Bronze. Um die westliche Ostsee entwickelt sich ein eigener Bronzekulturkreis, an dem auch Angeln teilhat. Es ist die Zeit von Troja und Mykene. Aus der mykenischen Kultur entlehnt der nordische Kreis die Schlingband- und Spielornamentik und verziert damit Schwertgriffe und -scheiden, Äxte und Rasiermesser, Gürtelscheiben und Armringe. Eine solche Axt ist bei Gelting gefunden worden, ein Bronzeabsatzbeil vom nordischen Typ. Leider ist über den Verbleib dieses Fundes nichts mehr bekannt.

Dieser nordische Kulturkreis hatte rege Handelsbeziehungen mit Süd- und Südosteuropa sowie mit Britannien: Bronze und Gold wurden gegen Bernstein und Felle getauscht. Man kannte bereits Wagen mit Scheiben- und Speichenrädern, bearbeitete den Boden mit Hakenpflügen und säte Weizen, Gerste, Hirse und Hafer, hielt auch schon die heutigen Haustiere. Der Träger dieser Bronzekultur im Ostseegebiet war die aus den Gruppen der jungsteinzeitlichen Groß- und Einzelgrableute hervorgegangene Bevölkerung. Im Gebiet um die Birk sind leider nur wenige Funde direkt auf die Bronzezeit zu datieren, weil es soweit ab von kulturellen Zentren in Angeln (z. B. Thorsberg bei Süderbrarup) lag, dass sich dort nur einfache Bauern aufgehalten haben, die noch immer in der Hauptsache Stein- und Holzgeräte benutzt haben, die entweder vergangen sind, oder eben nicht so typisch für die Bronzezeit sind, wie es Voraussetzung für eine einwandfreie Datierung wäre.

Bei Basrott, nordöstlich von Goldhöft, wurden aber bronzezeitliche Siedlungsspuren anhand von Öfen, Brandstellen und Pfostenresten sowie von Feuersteinabschlägen nachgewiesen.

Eisenzeit

In Angeln wird die Eisenzeit in drei Perioden eingeteilt: Die vorrömische Eisenzeit, die etwa um 500 v. Chr. beginnt und um 0 endet, die römische Kaiserzeit von 0 bis 350 und die Völkerwanderungszeit von 350 bis 600.

Bereits um 700 v. Chr. waren erste Eisengeräte nach Schleswig-Holstein gekommen und übertrafen die Vorteile der Bronze bei weitem. Durch die keltische Latène-Kultur aus dem Donauraum gewann das Eisen auch im Norden immer mehr an Einfluss; man lernte schließlich auch, Eisen aus Raseneisenstein (Rasenerz) des eigenen Landes herzustellen. Gleichzeitig beginnt allerdings eine Abwanderung aus Angeln, die bis ins erste vorchristliche Jahrhundert anhält. An Randgebieten wie der Geltinger Birk gibt es deswegen bislang keine Funde aus dieser älteren, vorrömischen Eisenzeit. Im ersten vorrömischen Jahrhundert beginnt schließlich die Besiedlung Angelns mit dem germanischen Stamm der Angeln, wie der römische Ethnograph und Historiker Tacitus die Bevölkerung Ostschleswigs im 1. Jh. n. Chr. nennt. Um das Thorsberger Moor bei Süderbrarup herum scheint ein Mittelpunkt dieses Volkes gewesen zu sein, weil einerseits eine große Menge Urnen eine entsprechende Bevölkerungszahl erahnen lässt und weil andererseits in diesem Moor von 100 v. Chr. bis etwa 400 n. Chr. so zahlreiche und wertvolle Opfer niedergelegt worden sind wie an keiner anderen Stelle des Landes. Südwestlich der Geltinger Bucht, zwischen Basrott und Nadelhöft, befand sich ein sehr dicht besetzter Urnenfriedhof aus der römischen Kaiserzeit. Zu diesem Zeitpunkt gelangte ein Teil des Geltinger Noores fast bis an diese Stelle heran, der Platz war somit zur Fischerei und zum Muschelsammeln geeignet. Auf den Hügeln wurde Ackerbau betrieben, für diese Zeit ist ein rasanter Anstieg der Getreidepollen in der entsprechenden Bodenschicht belegt.

Eine der Nadelhöfter Urnen, ergraben 1936; der Inhalt bestand aus Leichenbrand; die Höhe der Urne beträgt 24 cm

Etwa fünfzig Urnen konnten von Archäologen untersucht werden, nachdem am Fundplatz Kiesgruben erst ausgehoben und anschließend wieder verfüllt wurden, wobei ein großer Teil des Bestandes verloren ging.

Die Urnen enthielten zum größten Teil neben dem Leichenbrand wenige Beigaben, hauptsächlich Messerreste. Vereinzelt traten Lanzenspitzen oder Reste davon auf, einmal ein mit der dazugehörigen Schildfessel zusammengerosteter Schildbuckel, eine Fibel (Gewandschließe), sowie viele Metallfragmente, die so stark verwittert waren, dass eine weitere Bestimmung unmöglich war.

Fibel (Gewandschließe) aus der frühen Kaiserzeit (etwa 1. Jh. n. Chr.) aus Bronze, gefunden in Urne 19 im Nadelhöfter Urnenfeld

Nach diesem Befund handelte es sich bei der Bevölkerung um einfache Bauern und Fischer, die teilweise in Waffen standen. Wie die gesellschaftlichen Strukturen beschaffen waren und ob es eine lokale Führungselite gab, die sich durch besondere Ausstattungen hervorhob, ist unklar, entsprechende Funde sind noch nicht gemacht oder durch den Betrieb der Kiesgruben verloren gegangen.

Der Sage nach sollen an dieser Stelle früher Zauberinnen verbrannt worden sein. Unweit dieses Urnenfriedhofs, direkt an der Straße von Nieby nach Gelting, wurde im November 2006 ein bedeutender Fund gemacht: Ein Graben-Wall-Verteidigungssystem, das in der Bauweise nur vergleichbar ist mit der ersten Bauphase des Dannewerks, des Verteidigungswalles südlich von Schleswig, der Alt-Dänemark von Alt-Sachsen beziehungsweise dem späteren fränkischen Reich, das aus dem frühen 8. Jahrhundert stammt. Dendrochronologische Untersuchungen an Holzresten der Palisade haben jedoch ergeben, dass das Holz für Verteidigungswerk um 540 n. Chr. geschlagen worden ist, also wesentlich älter als diese frühe Wikingerzeit. Es handelt sich also um einen späten völkerwanderungszeitlichen Fund, der in Angeln sehr selten ist, weil ein Großteil der Bevölkerung zusammen mit Sachsen und Jüten nach England gezogen ist. Ein Verteidigungssystem dieser Art, zunächst ein breiter und tiefer Graben, anschließend starke Palisaden aus bis zu einem Meter dicken Eichenpfählen und ein Verteidigungshügel dahinter, lässt einen wichtigen Stützpunkt erahnen. Zu dieser Zeit war das Geltinger Noor bis an diese Stelle mit flachbodigen Schiffen schiffbar, möglicherweise befand sich dort ein Kriegshafen.

Die Anlage ist bisher noch kaum erforscht, lediglich ihre Existenz wurde vom Archäologischen Landesamt festgestellt. Das Gelände ist nun archäologisches Schutzgebiet und wird erst wieder begraben werden, wenn Gelder und Personal dazu zur Verfügung gestellt werden können.

Die Randzonen der Geltinger Birk waren also auch während der Eisen- und Völkerwanderungszeit dicht besiedelt, diese Besiedlung war sogar durchgängig bis ins frühe Mittelalter hinein. Der Geltinger Ortsname, die altgermanische Einsilbe “Gelt-” und die gemeingermanische Nachsilbe “-ing” stammen aus dieser anglischen Zeit und wurden in der Wikingerzeit übernommen, die Gegend war also nie menschenleer, weil sonst neue Namen entstanden wären.

Frühes Mittelalter / Wikingerzeit

730 schreibt der angelsächsische Kirchenhistoriker Beda, Angeln, das Land seiner Väter, sei verödet und fast siedlungsleer. Zwischen dem fünften und dem achten Jahrhundert stimmt damit eine Fundleere und das weitgehende Fehlen von Getreidepollen überein. Nicht überall, beispielsweise nicht bei Basrott, aber in großen Teilen Angelns siedelt sich in den gerodeten Gebieten zunächst wieder Heide und dann Buchen-Eichenmischwald an. Etwa 50 Jahre nach Bedas Bericht, zur Zeit Karls des Großen, kommen Seefahrer an und in das Land Angeln; es sind sogenannte Wikinger, dänische und schwedische. Sie lernen die Küsten unserer Landschaft auf ihren Fahrten die Schlei hinauf und hinunter kennen, als sie zwischen Birka am Mälarsee in Schweden und einer Kaufmannssiedlung am westlichen Schleiende Waren in ihren hochbordigen Schiffen beförderten. Seit Anfang des 8. Jahrhunderts nämlich hatte der Handelsverkehr, der von der Rheinmündung mit Dorestad als wirtschaftlichem Mittelpunkt ausging und an der Südküste der Nordsee entlang führte, zur Überquerung der jütischen Halbinsel mehr und mehr die nur 15 Kilometer betragende Enge zwischen Treene und Schlei gewählt, wie Funde westlicher Herkunft an dieser Enge beweisen. Dort, wo diese Verbindungsstraße die Schlei erreichte, war am Noor eine Kaufmannsniederlassung entstanden, die von den Franken und Sachsen Sliaswich, von den Dänen Hedeby, Haithabu, genannt wurde. 808 zog der dänische König Göttrik gegen die slawische Handelssiedlung Reric und zwang die dortigen Kaufleute, nach Haithabu umzusiedeln. Damit war Haithabu eine der wichtigsten wikingischen Handelsstädte geworden.

Angeln war ein Teil des Umlandes von Sliaswich/Hedeby; eine Quelle des 10. Jahrhunderts nennt Hedeby den Hauptort Angelns. Schon seit Ende des 9. Jahrhunderts ließen sich Wikingerhäuptlinge mit ihrer Sippe und ihren Sklaven in Angeln nieder, zunächst natürlich in der Nähe der Schlei- und Fördeküste, dort, wo auf leichten Böden der Wald leicht zu beseitigen war. Ihre Siedlungen nannten sie nach ihren Namen und fügten die Silbe “-by” = Wohnort hinzu. Wir dürfen wohl annehmen, dass alle by-Dörfer mit Personennamen in Angeln Gründungen aus dieser Zeit von etwa 800 bis um 1050 sind. Das Vorgängerdorf von Nieby (neues Dorf), Solby (Dorf des Sole) war sehr wahrscheinlich eine solche Wikingergründung. Unmittelbar südlich von Nieby, wo noch heute die Feldnamen Soltoft und Solkjær darauf hinweisen, wurden noch 1852 Reste von Gebäuden nachgewiesen; der Bauer Marquard Christiansen fand um 1870 bei Drainagearbeiten Grundsteinreste.

Bereits 1409 wird Solby als wüstes Dorf bezeichnet, ausgestorben durch eine pestartige Krankheit.

Weiter im Westen, direkt an der Straße zur Mühle Charlotte befindet sich auf der linken Seite eine feuchte, moorige Senke, in die im Winter bei starken Stürmen immer wieder die Ostsee hinein schwappt. Zur Wikingerzeit, also zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert war dieses kleine Goldhöfter Noor etwa 1,50 Meter tief und damit schiffbar. Unmittelbar südwestlich davon, auf zwei kleinen Hügeln, wurden im Herbst 2006 unter anderem eine Kleeblattfibel und ein silberner Armreif von herausragender Qualität gefunden. Es ist möglich, dass dieses kleine, geschützte Noor als natürliches Hafenbecken genutzt worden ist. Archäologische Untersuchungen im Herbst 2007 sollen Gewissheit bringen. Dabei werden die beiden kleinen Hügel seitlich dieses ehemaligen Noores geophysisch, also ohne den Boden zu öffnen, nach Siedlungsspuren untersucht (Unregelmäßigkeiten im Boden etc.). Das vermutete ehemalige Hafenbecken aber soll ganz systematisch ergraben werden, in der Hoffnung, einerseits Siedlungsabfälle, die dort entsorgt wurden (Keramikreste, Knochen- und Speisereste, hölzerne Geräte), und andererseits verlorengegangene Wertgegenstände (Münzen, Schmuck, Handelsgut) nachzuweisen. Die Voraussetzungen sind gut, denn an dieser heute moorigen Senke wurde nichts verändert, im Lauf der Zeit ist das vermutete Hafenbecken lediglich zunächst mit Schilf, dann mit Salzwiesen und heute mit einem kleinen Moor zugewachsen, wodurch von einem guten Erhaltungszustand ausgegangen werden kann. Die hohe Qualität der beiden bisher gefundenen Schmuckgegenstände sowie die strategische Lage an geschützter und versteckter Stelle sehr dicht an offener Ostsee und dem Kleinen Belt lässt an dieser Stelle einen Häuptlingssitz vermuten.

Bei der bereits erwähnten Ausbeutung von Kiesgruben zwischen Basrott und Nadelhöft wurden neben eisenzeitlichen Urnengräbern auch frühgeschichtliche und damit wikingerzeitliche Körpergräber entdeckt:

Unter dem Einfluss der römischen Kultur verbreitete sich etwa ab dem dritten Jahrhundert auch unter den südlichen germanischen Völkern die Körperbestattung. Etwa im achten Jahrhundert war diese Vorgehensweise auch im nördlichen Europa bekannt geworden und wurde praktiziert. Die Toten wurden dabei mit reichhaltigen Beigaben ausgestattet, Ausrüstung, mit der sie im Jenseits nicht als arme und besitzlose Menschen vor ihren Ahnen und Göttern erscheinen sollten.

1900 wurden von Arbeitern beim Abtragen des Mutterbodens bei den Kiesgruben etwa 15 Körpergräber angetroffen und zerstört. Die Reste wurden auf Anordnung der Gemeindebehörde auf dem Geltinger Friedhof vergraben. Kurz vorher wurden an dieser Stelle bereits einige Glasperlen gefunden.

Von 1900 bis 1914 wurden etwa 50 Skelettbestattungen beobachtet. In einem zeitgenössischem Bericht heißt es: “Aus den Berichten über die früheren Funde geht nur so viel hervor, dass die Skelette in ausgestreckter Lage bestattet sind, meist in der Richtung Ost (Füße) – West (Kopf). Die schmalen Gruben, in denen sie bestattet waren, reichten bis an den Kies und waren je nach der Mächtigkeit des auflagernden Bodens 30 Zentimeter bis einen Meter tief. Der Erhaltungszustand war verschieden. Holz- resp. Kohlenreste wurden nicht bemerkt, auch keine Gefäßscherben. An zwei Stellen waren Spuren eines kleinen Feuers, Kohlen und gerötheter Boden zu bemerken” (Dr. Splieth, 1912).

Schließlich ins Kieler Museum eingeliefert wurden nur einige Messer, ein Eisenfragment und einige Münzen. Diese Münzen waren Nachprägungen von Münzen, wie sie in Eisernes Messer aus einem Nadelhöfter Skelettgrab, Holzgriff, zur Zierde mit Silberdrähten umwickelt Dorestad, der Handelsmetropole an der Rheinmündung benutzt wurden. Anhand dieser Münzen können die Gräber in die frühere Wikingerzeit datiert werden, etwa ins 8. oder 9. Jahrhundert.

Am Strand von Falshöft wurde 1984 ein wikingerzeitliches Bartaxtblatt gefunden. Das Gebiet um Geltinger Birk war also seit der Steinzeit fast ständig besiedelt, bald nach der Wikingerzeit im Mittelalter im Jahr 1231 werden bereits die Dörfer Falshöft (Fughælsnæs) und Geltung (Gyælting) erwähnt sowie die Insel Beveroe (Pytærø). Seit damals wird die Landschaft vom Menschen geformt und gestaltet und überall können seine Hinterlassenschaften gefunden werden

 

weiter mit Teil 4 Die Geschichte Beveroes